
Bayer: immerhin etwas Erfolg bei Gerinnungsfaktor XIa
Bayer kann einen Erfolg in der Schlaganfallbehandlung vermelden, obwohl eine frühere Studie mit dem gleichen Wirkstoff wegen geringen Nutzens beendet worden war. Der Ansatz zur Hemmung des Faktor XIa ist dabei ein "First-in-class"-Beispiel aus Leverkusen. Ob die Daten für die Zulassung ausreichen, bleibt abzuwarten.
Die neuen Phase III-Daten zu Asundexian markieren für Bayer eine bemerkenswerte Wendung vor dem Hintergrund eines Rückschlags aus dem Jahr 2023. Damals hatte der Konzern die Studie OCEANIC-AF vorzeitig beendet. In dieser Studie wurde Asundexian bei Patienten mit Vorhofflimmern direkt mit dem etablierten Faktor-Xa-Hemmer Apixaban verglichen. Auf Empfehlung des unabhängigen Data Monitoring Committees (IDMC) wurde die Studie abgebrochen, nachdem sich eine unterlegene Wirksamkeit gegenüber dem Kontrollarm gezeigt hatte. An der Sicherheit des Bayer-Wirkstoffs hatten sich hingegen keine neuen Bedenken eingestellt.
Schon damals hatte Bayer betont, dass die parallel laufende Studie OCEANIC-STROKE planmäßig fortgesetzt werde – eine Entscheidung, die sich nun auszahlt. In OCEANIC-STROKE, bei Patienten nach nicht-kardioembolischem ischämischem Schlaganfall oder Hochrisiko-TIA, konnte Asundexian das Risiko erneuter ischämischer Schlaganfälle um 26 Prozent senken, ohne das Risiko schwerer Blutungen zu erhöhen. Es handelt sich damit nun um die erste erfolgreich abgeschlossene Phase III-Studie eines Faktor-XIa-Inhibitors mit Überlegenheit gegenüber Placebo.
Die Indikation entscheidet
Der unterschiedliche Ausgang der beiden Studien unterstreicht, wie stark der klinische Nutzen von Asundexian vom Indikationsgebiet abhängt. Während sich der Wirkstoff im direkten Wettbewerb mit hochwirksamen Standard-Antikoagulanzien wie Apixaban, Rivaroxaban (Xarelto®) oder Edoxaban (Lixiana®) bei Vorhofflimmern nicht durchsetzen konnte, zeigt er nun sein Potential in der sekundären Schlaganfallprävention in Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern.
Pharmakologisch unterscheidet sich Asundexian klar von den etablierten NOAKs (neue/nicht-Vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien): Es hemmt nicht Faktor Xa, sondern gezielt Faktor XIa. Der Blutgerinnungsfaktor Faktor XI wird im Rahmen der Blutgerinnungskaskade in seine aktive Enzymform, den Faktor XIa, umgewandelt. Die Faktor-XIa-Hemmung durch Asundexian wirkt damit gezielt gegen dessen Beteiligung an der pathologischen Thrombusbildung, während dessen geringere Rolle für die normale Hämostase nicht so stark ins Gewicht fallen sollte. Genau darin liegt der strategische Ansatz der gesamten Wirkstoffklasse: antithrombotische Wirksamkeit bei gleichzeitig geringerem Blutungsrisiko.
Asundexian ist dabei nicht allein. Mit Milvexian von Bristol Myers Squibb befindet sich ein weiterer oraler Faktor-XIa-Hemmer in fortgeschrittener klinischer Entwicklung. Hinzu kommen Antisense-Oligonukleotide sowie mehrere monoklonale Antikörper gegen Faktor XI/XIa, die ebenfalls klinisch geprüft werden. Der Wettbewerb ist intensiv – doch mit OCEANIC-STROKE hat Bayer nun als Erster gezeigt, dass das Konzept in einer großen Phase III-Studie klinisch tragen kann.

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